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Was ist funktionaler Analphabetismus?

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Die Lese- und Schreibfähigkeiten funktionaler Analphabetinnen und Analphabeten ähneln denen von Grundschülerinnen und Grundschülern in den ersten beiden Schuljahren: Sie können einzelne Buchstaben, Wörter oder auch Sätze lesen und schreiben, das Lesen und Verfassen längerer Texte fällt ihnen jedoch schwer. Im Alltag stoßen sie deshalb immer wieder an ihre Grenzen: Beim Lesen von Hinweisschildern und Beipackzettel oder beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen.

Definition:
„Funktionaler Analphabetismus ist gegeben, wenn die schriftsprachlichen Kompetenzen von Erwachsenen niedriger sind als diejenigen, die minimal erforderlich sind und als selbstverständlich vorausgesetzt werden, um den jeweiligen beruflichen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden und gesellschaftliche Teilhabe zu garantieren." *

*BMBF „Vereinbarung über eine gemeinsame nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland 2012 - 2016"

Wer ist betroffen?

Durch die vom BMBF geförderte „leo.-Level-One-Studie" liegen seit 2011 erstmals belastbare Zahlen über die Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland vor. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland etwa 14% der erwerbsfähigen Bevölkerung (18-64 Jahre), also etwa 7,5 Millionen Menschen, funktionale Analphabetinnen und Analphabeten sind. Davon sind:

  • 60,3% Männer und 39,7% Frauen;
  • etwa 58% deutsche Muttlersprachler/innen und 42% Menschen mit Migrationshintergrund;
  • mehr als die Hälfte (fast 57%) der Betroffenen berufstätig, besonders häufig als
    • Bauhilfsarbeiter
    • Hilfskräfte und Reinigungspersonal in Hotels, Büros und sonstigen Einrichtungen
    • im Transportwesen
    • Frachtarbeiter
    • Maler, Tapezierer oder
    • Köche uvm.;
  • ungefähr ein Drittel aller funktionalen Analphabet/innen zwischen 50 und 64 Jahre alt - lediglich ein Fünftel gehört zur Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen.

Rund 200.000 funktionale Analphabetinnen und Analphabeten leben in Sachsen-Anhalt.

Wie entsteht funktionaler Analphabetismus?

Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, individueller, familiärer, schulischer und gesellschaftlicher Art, führt zur Entstehung von funktionalem Analphabetismus. In der Regel wurde trotz Schulbesuch nicht ausreichend lesen und schreiben gelernt, manche vergessen das Gelernte aber auch nach einem Schulbesuch wieder.

Die häufigsten Ursachen sind:

  • sozial und familiär schwierige Verhältnisse, z.B. durch starke Beanspruchung bzw. 
  • Verantwortungsübernahme in der Familie im Kindesalter, überforderte oder desinteressierte Eltern
  • Brüche in der Schulbiografie, z.B. häufiger Schulwechsel in Form von Umzügen
  • nicht erkannte Lese- und Rechtschreibschwächen
  • Negative schulische Erfahrungen, z.B. durch Mobbing
  • Geringes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • die einmal erlernten Fähigkeiten wurden wieder vergessen